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Olympiastadt Strumpfmodell-1500

Hängende Dächer und sanfte Hügel

Weltberühmt ist die Dachlandschaft, die die ehemaligen olympischen Bauten auf dem Münchner Olympiagelände überzieht. Sie zählt zu den großartigsten Meisterleistungen der Architektur des 20. Jahrhunderts, ist Tourismusmagnet und Wahrzeichen der Stadt.

Der Olympiapark während der Olympischen Spiele München 1972
Der Olympiapark während der Olympischen Spiele München 1972, © saai I Archiv für Architektur und Ingenieurbau, KIT Karlsruhe, Werkarchiv Behnisch & Partner Foto: Behnisch & Partner, Christian Kandzia. Zu sehen in der Sonderausstellung „Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick“.

Das transparente Dach überspannt und verbindet voll Leichtigkeit die olympischen Bauten, die in eine leicht hügelige Landschaft eingebettet sind, Tribünen und Zwischenflächen. Die Architektur und der Landschaftspark spiegeln damit eine Idee wider: Denn die Olympischen Spiele 1972 in München sollten heitere, unbeschwerte Spiele werden, Deutschland als fortschrittliches und demokratisches Land zeigen – nach dem Zweiten Weltkrieg war das besonders wichtig.

Überschattet wurde das positiv gedachte Gesamtkonzept jedoch durch ein Attentat.

Modell und Idee

Bevor ein solcher Bau realisiert wird, kommt erst einmal die Idee. Mit einfachsten Materialien setzte der Architekt Günter Behnisch (1922 – 2010) sie in einem Modell um: mehrere Lagen Karton, Nylonstrümpfe, Stecknadeln und Stäbe dienten dazu, diese darzustellen. „Strumpfmodell“ wird es daher auch genannt.

Wenn du das berühmte Strumpfmodell im Original sehen willst, dann besuche die Ausstellung „Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick“, die vom 07.07.2022 bis zum 08.01.2023 im Architekturmuseum der TUM in den Räumen der Pinakothek der Moderne gezeigt wird!

Modell der Olympiastadt mit hängenden Dächern und gestalteter Landschaft
Behnisch & Partner, Ideen- und Bauwettbewerb für die Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele München 1972, Modell M 1:1000, 1967, © Architekturmuseum der TUM. Zu sehen in der Sonderausstellung „Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick“.

Mit diesem Modell gewann Günter Behnisch den Wettbewerb „Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele“. Die Inspiration zu solch einer Dachlandschaft fand Behnisch im „Deutschen Pavillon“ auf der Weltausstellung 1967 in Montreal. Diesen hatten die Architekten Frei Otto (1925 – 2015) und Rolf Gutbrod (1910 – 1999) sowie der Bauingenieur Fritz Leonhardt (1909 – 1999) entwickelt. Entsprechend lag es nahe, dass Frei Otto als Ingenieur zu Rate gezogen wurde. Denn konnte man davon ausgehen, dass die kühne Dachkonstruktion nach dem Entwurf von Günter Behnisch tatsächlich gebaut werden kann, realisierbar sein würde? Sie war es! Als absoluter Spezialist für Hängedachkonstruktionen unterstützte Frei Otto die Planungen.

Sorgsam konstruiert

Dächer haben ein Eigengewicht und müssen Lasten tragen können – z.B. Schnee und Windlasten. Die Kräfte, die hier entstehen, werden in den Boden umgeleitet. Meist liegen Dächer auf Wänden oder Stützen auf. Hier jedoch wirken die gekrümmten Dachflächen fast schon schwebend. Sie sind aufgehängt an insgesamt 12 großen und 36 kleinen sogenannten „Pylonen“. Mächtige Stahlseile spannen die Netzkonstruktion, die mit transparenten Acrylglasscheiben geschlossen ist. Das Foto vom Aufbau macht es deutlich!

Münchner Olympiastadt - Vorbereiten des Seilnetzes auf dem Boden
Vorbereiten des Seilnetzes auf dem Boden, Foto: Karsten de Riese, © Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv, Karsten de Riese. Zu sehen in der Sonderausstellung „Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick“.

Modell und Realität

Vergleiche das Modell mit dem gebauten Dach! Wo liegen die Unterschiede zwischen dem ersten Entwurf und der Ausführung?

Von links nach rechts: Der Olympiapark während der Olympischen Spiele München 1972, © saai I Archiv für Architektur und Ingenieurbau, KIT Karlsruhe, Werkarchiv Behnisch & Partner Foto: Behnisch & Partner, Christian Kandzia; Behnisch & Partner, Ideen- und Bauwettbewerb für die Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele München 1972, Modell M 1:1000, 1967, © Architekturmuseum der TUM | Blick auf die Überdachung der Tribüne des Olympiastadions von Süden, Foto: MPZ 2022

Eine Olympiastadt braucht noch mehr

Doch mit neuen Sportstätten allein können noch keine Olympischen Spiele ausgerichtet werden. Tausende Sportler*innen müssen untergebracht werden, ebenso zahllose Reporter*innen. Mehrere Millionen Zuschauer wollen pünktlich die Sportstätten erreichen können. Sportbegeisterte kommen aus der ganzen Welt nach München oder sehen die Bilder aus München an Fernsehern in aller Welt.

Wird eine Stadt Olympiastadt, so sind also viele weitere Bauten und Verkehrswege notwendig. Im Idealfall werden diese „Infrastrukturmaßnahmen“ so geplant, dass sie nachhaltig erhalten bleiben. Für München trifft das zu. Auch nach 50 Jahren.

1972 fanden in München die Sommerspiele der XX. Olympiade statt. Den Zuschlag dafür bekam München 1966. Es blieben also gerade einmal sechs Jahre Zeit, um die Stadt fit zu machen für dieses 17 Tage dauernde Großereignis.

Landschaft gestaltet

Das Olympiagelände besticht nicht nur durch das berühmte Dach! Die künstlich angelegte leicht hügelige Landschaft, in der die Sportbauten eingelassen sind, spielt eine ebenso wichtige Rolle für das Erscheinungsbild. Auch hierfür brauchte es einen Plan! Der unten abgebildete Entwurf wie auch das „Strumpfmodell“ zeigen aber nur das Zentrum des gesamten Baugeländes.

Die olympischen Anlagen 1969
Behnisch & Partner, Olympische Anlagen München 1969, © Architekturmuseum der TUM, Sign. Beh-1-26

Wie würde Dein Plan aussehen? Wie würdest du die Landschaft gestalten, die Sportstätten, Wege, Wiesen, Bäume und Wasserflächen, die Wohnhäuser für Sportler*innen, Trainer*innen und Reporter*innen im vorhandenen Grundstück unterbringen? Probiere es aus! Lade dir den Plan für dein MPZ-Album herunter und greif zu farbigen Stiften.

Lageplan Olympiagelände
Schematische Zeichnung des Grundstücks nach Behnisch & Partner, Wettbewerbsentwurf Olympiapark, 1969. Zeichnung: MPZ

Das Grundstück für das gesamte zu bebauende Gelände hat eine unregelmäßige Form. Durschnitten wurde es durch einen Kanal aus dem 18. Jahrhundert, der das Wasser aus dem Schlosspark Nymphenburg in die Isar bringt. Südlich davon – im Plan also unterhalb des blau eingezeichneten Kanals – lag bereits der Schuttberg, der heutige Olympiaberg. Hier war nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Stadt in Trümmern lag, der Schutt der zerstörten Häuser aufgehäuft worden. (Extra hierfür hatte man Gleise gelegt die danach wieder verschwanden.) Der Berg sollte begrünt werden und für die Freizeit der Münchner*innen nutzbar sein. Der Fernsehturm war auch bereits in Bau.

An drei Stellen sollten für Massenverkehrsmittel Stationen angelegt werden, um das Publikum zu den olympischen Spielstätten zu bringen: im Süden (also im Plan unten) die Trambahn, im Westen die S-Bahn und im Osten die U-Bahn-Linie 3. Eine Straße, die den Mittleren Ring schließen würde, war auch noch einzuplanen.

Behnisch & Partner nutzten den Kanal – im Plan die blaue Linie – für die Landschaftsgestaltung, indem sie die gerade Begrenzung entfernten und einen künstlich angelegten See aufstauten. Diese geschwungene Linie begrenzt die Wiesen mit künstlich angelegten Stufen als Freilichttribüne. Für die Landschaftsarchitektur war übrigens Günther Grzimek (1915 – 1996) verantwortlich.

Jetzt bist du dran

Probiere selbst einmal aus, wie sich mit unterschiedlichen Materialien Formen finden und Modelle entwickeln lassen! Welche Ideen hast du für eine tolle Dachkonstruktion über gewellter Landschaft?

Olympiastadt Materialien für den Modellbau
Material für dein Architekturmodell. Foto: MPZ

Du brauchst:

  • Kartonagen aus der Papiertonne
  • farbige Ausschnitte aus alten Zeitschriften, Prospekten, Verpackungen
  • in zwei Richtungen dehnbaren Stoff (kaputte Nylonstrümpfe, ein altes T-Shirt oder das Netz, in dem z.B. Knoblauch verkauft wird)
  • Holzstäbe (z.B. Schaschlikstäbe, Stricknadeln oder Essstäbchen)
  • ggf. Draht oder Pinnnadeln
  • evtl. Seidenpapier und Kleister
  • eine große Haushaltsschere
  • eine Zange, falls du mit Draht arbeitest
  • und was du sonst so findest, was eigentlich zur Wertstoffinsel oder in die Papiertonne gebracht werden müsste!

So geht’s:

  • Nutze mehrere Lagen Kartonagen als Bauland und forme erst einmal die Landschaft.
  • Gestalte eine luftige Dachlandschaft über deiner Landschaft!
  • Lege ggf. fest, wo Wege, Sitzgelegenheiten, Bäume, Sportstätten … sein sollen.
  • Gibt es auch einen See oder einen Fluss? Nutze hierfür blaues Papier.

Oder experimentiere mit Freunden und probiert aus, welche Dachformen sich mit dehnbaren Stoffen formen lassen! Sechs Hände wären hierzu besser als vier.

Flanked by Funk – GEMAfreie Musik von https://audiohub.de

Übrigens

Vielfach ausgezeichnet steht heute das Gelände mit dem Olympiastation, der Olympiahalle, der Olympiaschwimmhalle und dem Fernsehturm als Ensemble unter Denkmalschutz. Seit 2017 läuft die Bewerbung zur Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.

Mach dich also auf und schau dir vor Ort auf dem Olympiagelände die Dachlandschaft, die die Gebäude, Tribünen und Zwischenbereiche überspannt, die großen Pylone und Betonfundamente, die die mächtigen Stahlseile aufnehmen, sowie die geformte Landschaft etwas genauer an! Wage auch einen Blick in die Olympiaschwimmhalle, die ganz ohne Stütze im Inneren auskommt und so von allen Plätzen einen perfekten Blick aufs Becken bietet. Nimm ein Skizzenbuch oder eine Kamera mit und halte interessante Details fest! Wenn du magst, teile deine Entdeckungen auf INSTAGRAM oder FACEBOOK und verwende den Hashtag #MPZOlympiastadt.

Oder hast du Lust, ein neues Logo für das Olympiagelände zu entwerfen? Durchsuche dazu deine Zeichnungen und Fotos nach auffälligen Formen, die typisch für den Olympiapark und seine Dachlandschaft sind. Füge sie zu einer einzigen geschlossenen Linie zusammen und gestalte die Fläche darin farbig!

NACHHALTIGKEIT

Das Olympiadach sollte nicht nur ein paar Wochen bestehen, sondern auch langfristig Schneemassen, Wind und Wetter aushalten. So können wir auch nach 50 Jahren noch Leichtathletik-Meisterschaften im Olympiastadion erleben, die Olympia-Schwimmhalle nutzen oder einfach die Parklandschaft genießen.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit Erklärungen in leichter Sprache findest du HIER.

Didaktische Anregungen und Hintergrundinformationen auf www.xponat.net
Kontextualisierung, Konstruktion, Expertentipp

Passende MPZ-Führung
Von hängenden Dächern, sanften Hügeln und einem modernen Outfit. Architektur und Städtebau zu den Olympischen Spielen 1972 (GS ab Jgst. 3, Horte, MS, RS, GYM, BS)
Fortbildung für Lehrkräfte aller Schularten: Olympische Sommerspiele 1972. Architektur und Städtebau für München
Lebensraum Stadt – nachhaltig geplant (GS ab Jgst. 3, Horte, MS, RS, GYM, BS)

Passende MPZ-Online-Veranstaltung
Online-Fortbildung: Olympische Sommerspiele 1972. Architektur und Städtebau für München (Fortbildung für Lehrkräfte aller Schularten)

Informationen zu den Museen
Das Architekturmuseum der TUM betreut eines der größten Architekturarchiven in Deutschland. Vom 07.07.2022 bis zum 08.01.2023 zeigt es unter anderem Sammlungsbestände zum Thema „Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick“, ergänzt durch Leihgaben aus anderen Archiven. Einblicke in die Arbeit im Architekturarchiv bekommst du HIER.

Abbildungsnachweis Titelbild und Hauptbild: Behnisch & Partner, Ideen- und Bauwettbewerb für die Bauten und Anlagen der XX. Olympischen Spiele München 1972, Modell M 1:1000, 1967, © Architekturmuseum der TUM

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