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vor dem NS-Dokumentationszentrum steht ein Billboard, auf dem eine multikulturelle Kleinfamilie zu sehen ist Darauf steht oben "Coming soon", darunter vier asiatische Schriftzeichen

Vielfalt entdecken … in der Stadt

Ken Lum experimentiert mit Kombinationen aus Bild und Schrift bzw. Sprache. Besonders gern verwendet er Spiegel und spiegelnde Scheiben, die zum Teil beschriftet sind. Durch deren spezielle Anordnung entstehen raffinierte Spiegelungen und Spiegelbilder. Und die wiederum rufen neue „Verlinkungen“ in unseren Köpfen hervor. Wir nehmen alltägliche und gewohnte Eindrücke plötzlich anders wahr. Diese Methode wendet Lum auch auf gängige Marketing-Muster an: Vertraute Bildmotive, grafische Elemente und Slogans werden infrage gestellt, indem z.B., wie in „Coming Soon“, kein Markenname zur Identifizierung auftaucht. Das irritiert uns zunächst, aber es eröffnet auch vielfältige neue Denkräume (und macht uns bewusst, wie „leer“ Werbung manchmal sein kann).

Auf dem Münchner Königsplatz kannst du Ken Lums Werk „Coming soon“ in voller Größe auf dich wirken lassen. Du findest es auf einem Billboard, also einer „Werbetafel“, direkt vor dem NS-Dokumentationszentrum. Denn es ist Teil der Ausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“, die noch bis Ende August in diesem Haus und in der Umgebung zu sehen ist. Fast 50 Künstler*innen aus der ganzen Welt setzen sich hier mit der Frage auseinander, inwieweit die Vergangenheit auch unsere Gegenwart und Zukunft bestimmt.

Ein spannender Mix aus Bildern, Fotos, Designs, Videos, Installationen und Performances lädt zum Nachdenken ein: über Themen wie Rassismus und Ausgrenzung, Manipulation, Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt und Vertreibung. Ohne geografische Begrenzung. Ohne vorgefertigte Meinungen und Erwartungen. Weg von Schwarz-Weiß- oder Gut-Böse-Mustern.

„Es ist ein kühner Versuch, eine didaktische Ausstellung mit offenen Kunstwerken zu kombinieren. […] eine der besten, die in den letzten Jahren in München zu sehen war.“

(Quelle, BR 24, 28.11.2019)

„Die Stadt München […] setzt mit dieser furchtlosen und waghalsigen Ausstellung erstmals […] ein Zeichen für eine neue Erinnerungskultur.“

(Quelle, der Freitag 49/2019)

„Tell me about yesterday tomorrow“ ist eine starke Botschaft des weltoffenen München, in dem kein Platz für Rassismus und Fremdenhass ist.“

(Quelle, AZ 2.12.2019)

Wie herrlich verrückt und „bunt“ die künstlerischen Beiträge zu dieser Ausstellung sind, siehst du an einem anderen Billboard, das Anfang dieses Jahres auf der Kunstinsel am Lenbachplatz ausgestellt war:

Emeka Ogboh, Sufferhead, Foto: Orla Connolly

Es gehört zu einer Installation des Kenianers Emeka Ogboh. Extra für die Ausstellung hat er die „Munich Edition“ eines Craft-Biers kreiert. – Abgestimmt auf den Geschmack und die Erfahrungen von Afrikaner*innen, die in Europa leben. Das interkulturelle Bier nennt sich „Sufferhead Original“ und wird mit dem Slogan „Wer hat Angst vor Schwarz?“ durch Plakate, einen Werbespot und eine Flaschen-Installation als Kunstwerk „beworben“.

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Abbildungsnachweis Titelbild: links: Ken Lum, Coming Soon, 2009, Courtesy the artist; rechts: Ken Lum, Coming Soon vor dem Hintergrund des NS-Dokumentationszentrums, Foto: Jens Weber

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