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Münchner Residenz

Im Reich der Drachen
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Im Barock brach eine regelrechte Chinamode aus. Die adelige Gesellschaft in Europa begeisterte sich für das ferne Land, das nur ein paar wenige Missionare und Kaufleute mit eigenen Augen gesehen hatten. Auch die Wittelsbacher schmückten ihre Schlösser mit Luxusprodukten aus China: mit Porzellan, Lackmalereien, Seidenstoffen und Papiertapeten. Ihre Sammlerstücke kannst du noch heute in Schloss Nymphenburg entdecken. Um die große Nachfrage nach Chinesischem zu befriedigen, ahmten Maler aus Mitteleuropa chinesische Kunst nach. Diese sogenannten "Chinoiserien" waren Produkte ihrer Fantasie und zeigten, wie sie sich China erträumten. So ist zum Beispiel auf einer Porzellan-Kaffeekanne im Bayerischen Nationalmuseum ein kleiner Junge in einem chinesischen Fantasiekostüm zu sehen. Er reitet auf einem Steckenpferd in Form eines Drachens. Und daneben kannst du aus dem Bayerische Nationalmuseum altes chinesisches Porzellan mit europäischen Nachahmungen vergleichen. Von links nach rechts: Porzellan-Kaffeekanne (Ausschnitt). © Bayerisches Nationalmuseum; Porzellanplatte mit chinesischer Landschaft in „Famille vert“-Farben, China um 1700, Fayenceplatte mit „Famille verte“- Dekor nach chinesischem Vorbild, Ansbach um 1728/30. © Bayerisches Nationalmuseum In unserer heutigen, vernetzten Welt können wir uns kaum mehr vorstellen, welchen Reiz unbekannte Länder früher ausübten. In Räumen wie dem chinesischen Lackkabinett in Schloss Nymphenburg oder in einigen Zimmern der Badenburg mit ihren chinesischen Tapeten konnten die Bewohner Fantasiereisen nach China unternehmen. Gestalte im folgenden Kompositionsspiel deine eigene Variante einer chinesischen Tapete. Ziehe die exotischen Vögel und Schmetterlinge vom Rand in das Bildfeld. Vielleicht verteilst du sie gleichmäßig in den freien Flächen oder du vereinst sie zu kleine Gruppen. Beim "Überprüfen" gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur die Möglichkeit, noch einmal von vorne zu beginnen. So sieht die originale Tapete im Vorzimmer der Badenburg im Nymphenburger Schlosspark aus. Chinesische Tapete im Vorzimmer, Badenburg, Park von Schloss Nymphenburg. © Bayerische Schlösserverwaltung Den Drachen des Titelbildes findest du auch in der Badenburg. Er ziert einen Spiegelrahmen über einem Kamin des ehemaligen Schlafzimmers. In der Pagodenburg im Nymphenburger Park ist das ganze Obergeschoss im chinesischen Stil ausgestattet. Auch auf einem Rundgang durch die Münchner Residenz kannst du Objekte aus dem alten China und Chinoiserien entdecken. Sogar gebaut wurde in München im chinesischen Stil, zum Beispiel der "Chinesische Turm" (1789 -1790) im Englischen Garten. Wenn du mehr über Drachen oder Porzellan wissen willst, schau dir auf MPZ-digital die Beiträge "Tierisch ... Drachen suchen" und "Iss was!? - Was kommt in die Kanne?" an! Passende MPZ-FührungenIm Nymphenburger Schlosspark: Wo die kleinen Prinzen wohnten und die Fürstin speiste (FöS, GS, Inklusionsklassen)Barock à la Nymphenburg – Geschichte einer Epoche (MS, RS, BS, GYM) Informationen zu den MuseenWenn du mehr erfahren möchtest, besuche digital oder analog die verschiedenen Museen: Schloss Nymphenburg mit Badenburg und Pagodenburg, Münchner Residenz und Bayerisches Nationalmuseum. Abbildungsnachweis Titelbild: Chinesische Tapete in der Badenburg. © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Museumspädagogisches Zentrum, Alfred Czech

Glitzer und Glamour in der Residenz
Böhmische Krone
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Bei einer Schatzkammer denkst du bestimmt an Edelsteine, Diamanten, Gold und Silber, an kostbaren Schmuck, prächtige Schwerter oder Kronen von Königen und Königinnen – möglicherweise so bezaubernd und wunderschön wie diese Krone hier. Sie gehörte wahrscheinlich Anna von Böhmen, einer englischen Königin, die im 14. Jahrhundert gelebt hat. Die goldene Krone wurde mit Diamanten, Saphiren, Rubinen, Perlen und Smaragden prächtig verziert. Ihre Form ist einer schönen und in Königshäusern besonders beliebten Blume, einer Lilie, nachempfunden. Die Krone wurde im Mittelalter, um 1380, im westlichen Europa hergestellt und kam auf Umwegen im 15. Jahrhundert in die Münchner Residenz. Was meinst du: Gab es solch kostbare Perlen und Juwelen in Europa - oder aus welchen Ländern kamen sie? – Die Edelsteine wurden über die Seidenstraße, eine alte Handelsroute, aus dem sogenannten „Orient“ – dem heutigen China, Indien, Afghanistan und Iran – nach Konstantinopel transportiert. Diese Stadt liegt in der heutigen Türkei und heißt inzwischen Istanbul. Von dort ging die Reise dann per Schiff nach Italien, zumeist nach Venedig, und weiter in andere Städte und Länder. Die Steine legten also einen sehr langen Weg zurück, der damals viel Zeit kostete. Sie galten nicht nur als Luxusgüter, sondern man hatte auch die Vorstellung, dass ihre leuchtende Reinheit die Herrlichkeit Gottes widerspiegelt. Außerdem sprach man ihnen Heilkräfte bei unterschiedlichen Krankheiten zu. Erkennst du die verschiedenen Edelsteine? Aus welchen Ländern kommen sie? Luxuswaren aus fernen Ländern faszinierten die Menschen. Sogenannte Naturalia, exotische Naturprodukte, waren ebenfalls heiß begehrt. Oftmals handelte es sich dabei um tierische Materialien. In der Schatzkammer der Münchner Residenz gibt es z. B. Kästchen, Truhen und Kämme aus Elfenbein sowie Gefäße aus Rhinozeroshorn, Turboschnecken oder Straußeneiern. Ein Trinkgefäß aus versteinertem Palmholz, das aussieht wie ein Schiff, gehört auch zur Sammlung der bayerischen Herrscher.Aus welchem Material wurden diese Kunstschätze geschaffen? Hör genau hin, zu jedem Objektbild gibt es ein passendes Geräusch. Die exotischen Naturalia wurden aufwändig in Gold und Silber gefasst und mit Schnitzereien oder weiteren edlen Materialien verziert. So entstanden kostbare Gefäße und Objekte für die Kunstkammern der Herrscherhäuser. Was meinst du, hatten diese Kunstwerke auch eine Funktion oder waren sie edle Kostbarkeiten für des Königs Kunstkammer? Wie es dazu kam, dass man exotische Naturalia gesammelt und ausgestellt hat, erfährst du in dem MPZ Beitrag Kostbares aus der Wunderkammer.Heutzutage gehen wir anders mit solchen „Naturalia“ aus fernen Ländern um. Der Handel mit gefährdeten Tieren oder seltenen Pflanzen ist in den meisten Ländern grundsätzlich verboten. Tiere zu töten, um zum Beispiel Elfenbein zu erbeuten, wird bestraft und von vielen Menschen abgelehnt. Dennoch sterben bis heute Tiere, weil Wilderer in Besitz ihrer Hörner oder Stoßzähne kommen, um damit Geld verdienen zu wollen.Gestaltungsidee für zu Hause: Muschelketten. Passender Beitrag auf XponatKrone Passende MPZ-FührungAuf Schatzsuche in der Residenz (Inklusionsklassen bis Jgst. 6, MS bis Jgst. 6, RS bis Jgst. 6, FöS, GS, GYM bis Jgst. 6, Horte) Informationen zum MuseumEin Besuch der Schatzkammer der Münchner Residenz ist immer ein lohnender Ausflug. Dort findest du die kostbaren Schätze der bayerischen Herrscherhäuser. Abbildungsnachweis Titelbild: Krone einer englischen Königin (sogenannte Böhmische Krone oder Pfälzische Krone; Gold, Email, Saphire, Rubine, Smaragde, Diamanten, Perlen), Westeuropa, um 1370-1380. © Bayerische Schlösserverwaltung

Tapete verschlissen – Anstrich erwünscht?
Residenz München, Salon der Königin Therese

Wie sieht dein Zimmer aus? Ist es weiß gestrichen oder farbig gestaltet? Oder liebst du Tapeten, vielleicht mit Muster oder eher einfarbig? Um unsere Wohnung zu gestalten, holen wir uns Ideen und Anregungen in Wohnzeitschriften, Tipps zum Stylen im Internet oder in Einrichtungshäusern.Heute bummeln wir durch ein edles „Einrichtungshaus“ der Extraklasse, durch die Residenz von München, genauer durch den Königsbau. Das ist natürlich kein „Einrichtungshaus“, sondern das Stadtschloss der bayerischen Könige. Wir schauen uns dort jedoch keine kunstvollen Möbel oder andere wertvolle Einrichtungsgegenstände an, wie edle Kerzenleuchter, exklusive Porzellanvasen oder glitzernde Kronleuchter. Bei uns geht es um Tapeten – oder vielmehr Wanddekorationen.König Ludwig I. wollte in seinem neuen Königsbau auf keinen Fall altmodische Tapeten, etwa aus Stoff, haben. Er war ein großer Freund des antiken Griechenlands und Italiens. Sein Königsbau sollte an einen italienischen Palast erinnern. Der König und sein Architekt Leo von Klenze haben sogar Reisen nach Italien, etwa nach Pompeji, unternommen, um sich dort von den Wandmalereien inspirieren zu lassen.Leo von Klenze entwarf daher eine Raumgestaltung, bei der die Wände mit gemalter Architektur, Wandbildern und ornamentalen Mustern geschmückt wurden. Die Wandbilder erzählen Geschichten von griechischen und deutschen Schriftstellern. Die Architektur wie auch die Bilder sind mit unterschiedlichen Ornamenten – wie etwa Blattranken, Fabelwesen und Blütenmustern – verziert und eingerahmt. Im wunderbaren Salon der Königin Therese kannst du das gut erkennen. Zarte Blattranken umschlingen die zierlich gemalten Säulchen. Ranken, die sich zu kleinen spiralförmigen Kreisen formen, rahmen die Bilder. Wir nennen diese Ranken aus Spiralen Volutenranken. Wenn du genau hinschaust, entdeckst du weitere Motive, zum Beispiel kleine Engel auf Blattgirlanden, Fabeltiere und Maskengesichter. Im Ankleide- und Schlafzimmer des Königs sind die Volutenranken besonders gut zu sehen. Der Beginn und Abschluss der Ranken wird oft durch besondere Motive, etwa durch einen Greif oder ein anderes Fabelwesen, betont. Manchmal ist auch die Rankenmitte hervorgehoben. Oftmals wiederholen sich die einzelnen Motive und ergeben eine gleichmäßige Abfolge, die dann Musterrapport heißt. Volutenranken rahmen die farbigen Wandflächen Volutenranken mit Greif und geflügeltem Mischwesen, Blattgirlanden und Musterrapporte zieren die Wände von links nach rechts: Schlafzimmer des Königs Ludwig I., Detail und Ankleidezimmer des Königs Ludwig I., Detail. © Bayerische Schlösserverwaltung Und wie könnte dein Muster aussehen? Schau dir die Bilder genau an und suche dir zwei Lieblingsmotive aus. Am besten nimmst du Bleistift und Papier und zeichnest die Motive ab. Oder du entwirfst eigene Pflanzenornamente. Dazu kannst du im Frühling auch in einen Park gehen oder in den Botanischen Garten. Auch Leo von Klenze hat zunächst auf Musterblättern vorgezeichnet. Das Motiv, das er am häufigsten verwendete, war die Palmette, die an ein Palmblatt der Fächerpalme erinnert. Ein anderes beliebtes Motiv ist der Lotos, der seinen Ursprung in der Lotosblüte hat. Beide Ornamente wurden bei einem Musterrapport mit Volutenranken zu einem sogenannten Fries verbunden. Das kannst du bei den folgenden beiden Abbildungen sehen: Auf dem linken Bild ist der Palmetten-Lotos-Fries hellblau und hellgrün gestaltet, auf dem rechten rot und grün. Das rechte Bild zeigt oben außerdem noch eine blaue Volutenranke mit einer hübschen Lotosblüte. Rechts Mitte: Lotos und Palmettenfries in hellblau/grün Leo v. Klenze, Mustersammlung Ornamentik, II. Heft, Tafel XII, München 1823. © Bayerische Schlösserverwaltung Oben: Volutenranke mit Lotosblüte Leo v. Klenze, Mustersammlung Ornamentik, II. Heft, Tafel VI., München 1823. © Bayerische Schlösserverwaltung Und nun kannst du aus deinen Motiven Muster zusammenstellen:Du brauchst:• Bleistift• Buntstifte oder Filzstifte• Lineal• Schere• Schmierpapier für deine Skizzen• DIN-A4-Blatt oder Zeichenblockblatt (du kannst auch farbiges Papier nehmen)Und so geht’s:Wähle dir aus deinen Skizzen zuerst zwei deiner Lieblingsmotive aus. Für einen Musterrapport müssen sich die Motive in einer gleichmäßigen Reihenfolge abwechseln. Am einfachsten ist es, wenn du dazu ein DIN-A4-Blatt in Längsstreifen von 5 cm Breite schneidest. Dann faltest du in einem weiteren Arbeitsschritt den Papierstreifen in ebenfalls 5 cm große quadratische Abschnitte. Nun hast du sechs kleine Quadrate, in die du abwechselnd deine beiden Motive einzeichnest. Überlege dir, wie du die beiden Motive in den Quadraten miteinander verbinden kannst. Eine Ranke eignet sich gut, um deinen Musterrapport zusätzlich zu verzieren und zu gestalten. Für einen längeren Rapport, zum Beispiel aus drei Motiven, nimmst du einfach ein größeres Zeichenpapier. Anstelle von weißem Papier ist auch farbiges Tonpapier möglich. Zum Schluss kannst du deine Musterideen und Rapportstreifen in dein MPZ-Album einkleben.  Anleitung Muster. © Museumspädagogisches Zentrum Passender Beitrag auf XponatDetailfocus, ObjektbeschreibungInformationen zum MuseumWenn du das Stadtschloss der Münchner Kurfürst*innen und König*innen entdecken möchtest, dann besuche doch einmal die Münchner Residenz. Im Königsbau von Ludwig I. und Therese kannst du auch den prächtigen Thronsaal und die kostbaren Möbel bewundern. Abbildungsnachweis Titelbild: Residenz München, Salon der Königin Therese (Ausschnitt). © Bayerische Schlösserverwaltung, Bearbeitet: Museumspädagogisches Zentrum

Iss was!? – Was kommt in die Kanne?

Was trinken du und deine Familie am liebsten zum Frühstück: Tee, Kaffee oder Kakao? Erst vor etwa 300 Jahren wurden diese Heißgetränke bei uns bekannt. Weißt du, aus welchen Ländern die Rohstoffe für diese Getränke ursprünglich kamen? – Teeblätter, Kakao- und Kaffeebohnen transportierte man mit Schiffen von weit her, aus China, Südamerika oder von der arabischen Halbinsel, nach Europa. Vielleicht kannst du dir vorstellen, wie teuer sie deshalb waren? Aufgrund ihrer anregenden Wirkung wurden sie zunächst als Arzneimittel betrachtet. Doch im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden Kaffee, Tee und Kakao schnell zu Mode- und Luxusgetränken für Hof und Adel. Kurfürst Max III. Joseph mit Joseph Ferdinand Graf von Seeau (Salern), George Desmarees, 1755, Inv. ResMü.G 55. Residenz München. © Bayerische Schlösserverwaltung, München Hier siehst du Kurfürst Max III. Joseph, der im Hausmantel in seinem Appartement in der Münchner Residenz sitzt. Der Graf von Salern hat ihm soeben auf einem „Tablett“ – einer sogenannten Kredenz – eine Tasse mit einem dampfenden Getränk gereicht. Was es wohl ist? – Tee oder Kaffee? – Am Morgen hat der Kurfürst vermutlich einen heißen Kaffee getrunken. Sieh dir auch einmal an, wie er die Tasse hält ... – Wahrscheinlich möchte er mit seinem Kaffee ein bisschen „angeben“. Kopie nach Charles Andrée van Loo, Haremsdame (Ausschnitt), um 1747, ResMü.G1081. Residenz München. © Bayerische Schlösserverwaltung, München Die Geliebte des französischen Königs Ludwig XV., Madame de Pompadour, inszeniert sich auf diesem Gemälde nicht nur mit Kaffee, sondern zugleich als eine Art „Haremsdame“ im orientalisch anmutenden Kostüm. Sie ruht auf einem gelben Kissen und lässt sich von einer Dienerin Kaffee in einem feinen Porzellantässchen servieren. Exotisch ist hier also nicht nur der Kaffee, der über die Türkei und Wien bis nach Frankreich kam, sondern die gesamte Inszenierung. Surtout mit Teeservice. Surtout, Silber, vergoldet, Johann Engelbrecht, Augsburg, um 1732/33. Teeservice, Porzellan, Muffelfarben und Gold, Meißen, um 1723/24, Malerei in Teilen Johann Gregorius Höroldt zugeschrieben. Inv.-Nr. ResMü.K.II.Mei.196-206 (WL), Residenz München. © Bayerische Schlösserverwaltung, München Mit den modischen Heißgetränken entwickelten sich neue und kostbare Trink- und Serviergefäße. Edles Porzellan importierte man zunächst aus China. Nachdem es auch in Europa gelungen war, Porzellan selbst herzustellen, wurden dort die ersten Services in Meißen produziert, häufig nach Vorbildern aus China und verziert mit chinesisch anmutenden Motiven. Das wunderschöne Teeservice aus Meißen auf dem gestuften, silbervergoldeten Podest, einem sogenannten „Surtout“ (franz., sprich "Sürtu"), stand auch früher schon in der prächtigen Grünen Galerie der Residenz. Wenn du auf das Bild klickst, kannst du dir die Teekanne, die Zuckerdosen und Tassen genau anschauen. Das Teeservice war nicht nur sehr edel, sondern auch sehr kostbar. Meint ihr, dass es häufig benutzt wurde? – Wohl kaum. Es diente am Münchner Hof allein dazu, Luxus und Reichtum zur Schau zu stellen. Für den alltäglichen Gebrauch verwendete man einfachere Services. Der Tee wurde am Nachmittag bei einer Teezeremonie genossen, er muss aber zu Beginn „gallenbitter“ geschmeckt haben. Man wusste nämlich nicht genau, wie man den Tee zubereiten sollte. Getrunken hat man ihn anfänglich aus henkellosen Tassen, den sogenannten Koppchen. Oder man „schlürfte“ ihn aus der Untertasse!Prinzessin Maria Anna von Sachsen, die Frau Max III. Joseph, besaß in der Residenz sogar ein eigenes Teekabinett. Doch nicht nur Tee und Kaffee, sondern auch der Kakao hatte eine ausgeprägt bittere Note, wenn man nicht ausreichend Zucker hinzufügte. Am Münchner Hof wurde Kakao anscheinend nur selten genossen. Aber vielleicht trinkst du ihn gerne? Was kommt in welche Kanne? Für Kaffee, Tee und Kakao benutzte man speziell geformte Kannen und Tassen. Schau doch einmal in eurem Geschirrschrank nach: Vielleicht findet sich da ein Tee- und ein Kaffeeservice? Du wirst sicherlich Unterschiede bemerken! Der gemahlene Kaffee wurde früher in der Kanne mit kochendem Wasser aufgebrüht oder sogar aufgekocht und schäumte dabei. Damit man sich bei der Zubereitung nicht am heißen Kaffee verbrannte, sind Kaffeekannen höher und schlanker als die bauchigen Teekannen. Die Tülle – also der Ausguss – der Kaffeekanne sitzt sehr weit oben. So gießt man den Kaffeesatz, der sich am Kannenboden absetzt, nicht mit in die Tasse. Kaffekanne mit Chinoserien, Nymphenburg um 1760/67. © Bayerisches Nationalmuseum Für einen Tee wurden die Teeblätter mit heißem Wasser aufgegossen. Durch die bauchige Form der Teekanne konnten sich die mit Wasser aufgesogenen Teeblätter gut ausbreiten. Die Tülle sitzt unten am Kannenrand, so dass die oben schwimmenden Teeblätter möglichst nicht in die Teetasse gegossen wurden. Teekanne aus Teeservice. Surtout, Silber, vergoldet, Johann Engelbrecht, Meißen, um 1723/24, Inv.-Nr. ResMü.K.II.Mei.196 (WL), Residenz München, Porzellansammlung. © Bayerische Schlösserverwaltung, München Früher hat man den Kakao in speziellen Kannen zubereitet. Manche Kannen hatten ein Loch im Deckel, in dem ein Quirl steckte, mit dem man das Getränk umrühren konnte. Der Griff der Kakaokannen befand sich immer seitlich an der Kanne, so dass man sich bei der Zubereitung nicht die Finger verbrannte.Und solltest du nach all dem Kakao nun Appetit darauf bekommen haben, dann bereite dir doch selbst einen zu! Aber achte beim Einkauf des Kakaopulvers darauf, dass er aus fairem Handel kommt und wenn möglich auch noch biologisch hergestellt wurde. Bei diesen Produkten bekommen die Menschen, die den Kakao produzieren, einen „fairen“ Preis. Schokokanne aus Schokoladen Solitaire mit Stoffdekor, Frankenthal um 1770. © Bayerisches Nationalmuseum Im folgenden Spiel erfährst du, wie die Pflanzen aussehen, aus denen Tee, Kaffee und Kakao hergestellt werden, also die Rohstoffe. Die werden verarbeitet zu Produkten, die du im Laden kaufen kannst. Und kannst du dich noch erinnern, welches Getränk in welche Kanne kommt? Ziehe die Rohstoffe und zugehörigen Produkte neben die geeigneten Kannen. Ein kleines Kannenkunstwerk Bestimmt gibt es auch bei dir zuhause jede Menge Kannen oder Kännchen. Wähle die Kanne mit der schönsten Form oder deine Lieblingskanne aus und lass dich zu einem abstrakten Kunstwerk für dein MPZ-Album anregen! Du brauchst: 1 Bogen dickes, weißes Papier im Format DIN A4, aus dem Zeichenblock zum Beispiel1 Blatt weißes Papier im Format DIN A4, Druckerpapier zum Beispiel1 Bogen farbiges Tonpapier im Format DIN A5BleistiftGeodreieckSchereWachsmalkreide oder BuntstifteLocherKlebstoff So geht’s: Zeichne mit einem Bleistift so groß wie möglich (!) auf das dickere weiße Papier (DIN A4) den Umriss der Kanne – am besten zuerst den Bauch, dann den Henkel, die Tülle zum Ausgießen und den Deckel.Auf das dünnere weiße Blatt zeichnest du in der Mitte mit dem Geodreieck ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 13 x 13 cm.Schneide das Quadrat so aus, dass ein Fenster entsteht. Dazu knickst du das Blatt erst einmal und schneidest nur innerhalb des Rahmens.Lege nun das Papier mit dem Fenster auf die Umrisszeichnung und suche durch Verschieben und Drehen nach einem Ausschnitt, der dir gefällt. Es sollte möglichst eine Stelle sein, wo mehrere Linien ein interessantes Bild ergeben.Halte die beiden Bögen fest aufeinander und zeichne die Umrisse des Fensters auf deiner Kanne nach.Jetzt malst du alle Teilflächen, die innerhalb des eingezeichneten Rahmens liegen, jeweils einzeln poppig bunt aus.Schneide das fertige Bild aus.Wähle ein farblich passendes Tonpapier im Format DIN A5 aus, halte es im Querformat und loche es links. Klebe nun dein Bild darauf. Mal sehen, ob deine Familie erkennt, was die Inspiration für dein Kunstwerk war … Du hast Appetit bekommen? Den Rest der Ferienaktion findest du unter Iss was!? - essen, speisen, tafeln .... Passende Beiträge auf XponatTeekanne, Tasse, Genussmittelpflanzen Passende MPZ-FührungenExklusiv Wohnen – Fürstenleben im 18. Jahrhundert (GS, MS, RS, FöS, GYM, Inklusionsklassen, BS, Horte)Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen (GS, MS, RS, FöS, GYM, BS, Horte) Informationen zum MuseumDie beiden Gemälde und der Großteil der kostbaren Serviceteile stammen aus der Münchner Residenz. Du solltest dir die Gegenstände unbedingt mal in den originalen Räumen ansehen! Im Residenzmuseum siehst du zahllose Gänge und Zimmer voller atemberaubendem Prunk! Abbildungsnachweis Titelbild: C. Van Loo/Umkreis, Haremsdame (Ausschnitt), um 1747, Residenz München. © Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen;Abbildungsnachweis Kannen im Zuordnungsspiel von oben nach unten: Schokokanne aus Schokoladen Solitaire mit Stoffdekor, Frankenthal um 1770. © Bayerisches Nationalmuseum; Kaffekanne mit Chinoserien, Nymphenburg um 1760/67. © Bayerisches Nationalmuseum; Teekanne aus Teeservice. Surtout, Silber, vergoldet, Johann Engelbrecht, Meißen, um 1723/24, Inv.-Nr. ResMü.K.II.Mei.196 (WL), Residenz München, Porzellansammlung. © Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

Challenge #3 | Camera obscura
Challenge CameraObscura
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Schaffst du es, ein Bild (Abbild) von deiner Umgebung mit Hilfe von Klopapierrolle, Nadel, Butterbrotpapier, Alufolie und Gummiband zu machen? Camera Obscura mit Balgenauszug, © Deutsches Museum Diese Camera Obscura wurde um das Jahr 1800 gebaut. Zwischen den zwei Holzrahmen befindet sich ein schwarzer Balgen aus Papier, wodurch der hintere Rahmen in seiner Entfernung zur Frontplatte verschoben werden kann. So kann das Bild scharf gestellt werden. Diese und viele andere spannende Ausstellungsstücke kannst du im Deutschen Museum in München bewundern. CAMERA OBSCURA. Das Prinzip der Camera Obscura (lateinisch für „dunkle Kammer“) war bereits  in der Antike bekannt. In einen fensterlosen Raum fällt Licht durch ein kleines Loch. Dieses Licht erzeugt auf der gegenüberliegenden Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Außenwelt. Lange Zeit diente diese „Kamera“ als Zeichenhilfsgerät in der Malerei. Auch auf Jahrmärkten wurden solche Kameras aufgebaut. Besucher konnten auf der dem Loch gegenüberliegenden Seite der Kammer Personen, Bäume oder Häuser sehen, die auf dem Kopf standen. Schwer vorzustellen, dass sich aus der „dunklen Kammer“ unsere heutigen Fotoapparate und Handycameras entwickelten! Eine Lochkamera ist eine Camera Obscura im Kleinformat. Die kannst du dir mit wenigen Hilfsmitteln selbst bauen. Schiebe dazu den Regler unter dem Bild Schritt für Schritt nach rechts. Ein kleiner Teil des Lichts fällt durch das Loch auf das Transparentpapier. Licht breitet sich geradlinig aus. Dadurch wird der untere Punkt eines Gegenstands oben auf dem Transparentpapier und der obere Punkt des Gegenstands unten auf dem Transparentpapier abgebildet. So entsteht auf dem Transparentpapier ein umgekehrtes und seitenvertauschtes Bild. Funktionsweise einer Lochkamera, Zeichner: Anton (rp) 2004 Wusstest du schon: Das Wort "Fotografie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Schreiben mit Licht". Der große Nachteil  der Camera Obscura war, dass man die Bilder nur dauerhaft festhalten konnte, indem man sie abmalte. Einige wichtige Schritte zur Entstehung der Fotografie mussten noch getan werden. Daran waren viele Chemiker und Physiker beteiligt. Die Fotografie wurde um 1840 erfunden. Damals hat man auf eine Glasplatte lichtempfindliche Silbersalze geschmiert. Wenn Licht auf eine Stelle fiel, dann wurde die Stelle langsam dunkler. Daher brauchte man anfangs noch mehrere Stunden, um ein Foto zu machen. Weil die Aufnahme so lange dauerte, haben die Menschen auf den Fotos auch nicht gelächelt, denn das wäre zu anstrengend gewesen. Jetzt weißt du also, warum Uroma und Uropa auf alten Schwarzweiß-Bildern oft so ernst schauen. Kameras, die so klein waren, dass man sie mitnehmen konnte, gab es erst um 1900. Später wurden dann Filmrollen aus Kunststoff belichtet und davon Papierabzüge gemacht. Digitalkameras werden erst seit ca. 1990 gebaut. Wo sich früher der zu belichtende Film befand, ist heute ein lichtempfindlicher Chip, der Sensor, eingebaut. In der Alten Pinakothek sind einige Ansichten von Venedig zu sehen, die Canaletto (eigentlich Giovanni Antonio Canal) im 18. Jh. mit Hilfe der Camera Obscura malte. Mit ihr war es möglich, Stadtansichten sehr genau und dabei schnell abzubilden, so dass die damaligen Besucher der Stadt ein Gemälde als Andenken mitnehmen konnten. Giovanni Antonio Canal (gen. Canaletto), um 1740, Inventar-Nr.: WAF 137, © bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen Sein Neffe Bernardo Bellotto, der sich ebenfalls Canaletto nannte, war 1761 in München und fertigte hier drei sogenannte Veduten an, die sich in der Residenz München befinden. Für die Ansicht der Stadt von der Ostseite nutzte er einen dunklen Raum im Turm, deren kleines Wandloch unterm Dach normalerweise nur von Tauben als Einflugloch genutzt wurde – eine perfekte Camera Obscura also. Diesen Turm hat Bellotto sogar, wenn auch verschoben, ins Bild gesetzt. Für die Ansicht von Schloss Nymphenburg hingegen wurde extra ein hölzerner Turm gebaut. links: Bernardo Bellotto, München von der Ostseite, 1761, derzeit ausgestellt in der Residenz München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, CC BY-SA 4.0rechts: Bernardo Bellotto, Schloß Nymphenburg von der Parkseite, 1761, Residenz München. © Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de, Foto: Peter Fink, München Informationen zum MuseumWenn du mehr erfahren möchtest, besuch doch einmal die Residenz München oder die Alten Pinakothek. Abbildungsnachweis Titelbild: © Museumspädagogisches Zentrum, Grafik: Fabian Hofmann