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Titelbild Punk 2

Kleidung als Botschaft – Haltung, Provokation, Protest?

Schon gewusst …?

Volker Derlath, Drei Punks auf dem Marienplatz. © Münchner Stadtbibliothek / Monacensia

Und wie war es als Punk? Cornelia Siebeck, ehemalige Punkerin, beschreibt das Lebensgefühl der Münchner Punks damals:

Zitat: Cornelia Siebeck, aus einem Interview mit Ralf Homann, Kurator der Ausstellung Pop Punk Politik in der Monacensia im Hildebrandhaus. © Bearbeitung: Museumspädagogisches Zentrum

Aussehen, Lebensstil und Kleidung sind für Punks Ausdruck von Provokation und Protest.

Welche Stilmittel benutzen sie, um sich äußerlich abzugrenzen?

Rabe Perplexum? „Selbstportrait“ mit Kreditkarte. © Rainer Schwinge und Edel-Punks auf dem Münchner Marienplatz, 1984. © Volker Derlath

Widerstand kann sich also über Kleidung und Schmuck ausdrücken. Die als Ohrring umfunktionierte Kreditkarte versteht sich als Kapitalismuskritik. Jacken, häufig aus Leder und mit Nieten besetzt, werden zum Medium unterschiedlicher, auch politischer Botschaften – wie hier gegen Nazis und die Politik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl.

Wir wagen den Sprung vom Jahr 1986 …

Punks auf dem Münchner Marienplatz 1984 (Ausschnitt). © Volker Derlath

… ins Jahr 2006

Bomberjacke

Seth Price, Vintage Bomber, 2006, Vakuumgeformtes Polystyrol (Ausschnitt), 123,2 x 92,7 x 6,4 cm, Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Ron Amstutz, Courtesy of the artist

Euer erster Gedanke?
Was ist hier gleich? Und was ist anders?

Der Fotograf Volker Derlath hält die Kamera auf die Lederjacke und fokussiert die Botschaften.
Seth Price inszeniert eine Bomberjacke als Kunstwerk.
Das Foto zeigt uninszeniert die auf der Lederjacke individuell hinterlassenen Botschaften durch Schrift.
Und hier: Die Botschaft befindet sich nicht auf, sondern in der Kleidung?

„Mich interessieren die in Kleidung enthaltenen Codes.“ (Seth Price, 2020)

Der Multimediakünstler Seth Price beschäftigt sich mit der Zeichenhaftigkeit unserer Kleidung, und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern kann.

Welche Kleidungsstücke fallen dir noch ein, die mit einer Botschaft, einer Zugehörigkeit besetzt sind?

Haben sich ihre „Codes“ im Laufe der Zeit verändert?

High Heels von Caitlyn Wilson, Basballcap von NATHAN MULLET, Handtasche von Laura Chouette auf www.unsplash.com; Hoodie auf www.pixabay.com; Frau mit Tuch von Jean-François Gornet – Flickr: Voile, CC BY-SA 2.0; Bearbeitung: GIF Museumspädagogisches Zentrum

Möchten auch wir mit unserer Kleidung etwas ausdrücken, eine Botschaft übermitteln?

Möchten wir herausstechen und uns abgrenzen? Oder in der Masse untergehen? Oder zu einer bestimmten Gruppe dazugehören?

Wie sehr identifizieren wir uns mit Kleidung?

Welche soziale Funktion hat sie?

Kann man sich neutral kleiden? Weiblich, männlich, queer?

Ist Kleidung Integration? Kommunikation? Inszenierung? Haltung? Protest? Provokation? Kult? Status? …

Und ab wann ist sie politisch?

Eine Bomberjacke, wie zufällig hingeworfen und „eingefroren“

Tatsächlich handelt es sich beim „Vintage Bomber“ um eine komplizierte Technik, bei der die Jacke in goldfarbenem Plastik abgeformt und zuvor vorbereitet und ausgestopft wurde – ähnlich dem Vakuumverfahren bei industriellen Verpackungen, z.B. bei Pralinen.

Seth Price nennt die so entstandenen Arbeiten „Vacuum“-Skulpturen.

Vakuum, d.h. leer, da letztlich nur die Form, der Abguss bleibt, wie bei einer „Totenmaske“ (Achim Hochdörfer, Direktor des Museums Brandhorst). Leer also vielleicht auch, weil der Mensch, der Inhalt fehlt: Wo bleibt das Individuum hinter Kommerz und Mainstream-Mode?
Und was bewirkt die goldene Farbe? Was assoziierst du mit Gold?

Alle Bilder auf www.pixabay.com / unsplash.com

Das Kunstwerk wirkt wie eine der Ikonen unserer modernen Welt: Produkte von Kommerz und Konsum, die alles dominieren – eine Kritik, die bereits in den 1980er Jahren zu hören war.

Vielleicht lässt das Gold aber auch „[…] an den wahnsinnigen Kunstmarkt denken, der zu Beginn der 2000er Jahre gerade explodierte, was übrig blieb, war das begehrenswerte Konsumgut, der reine Warenfetisch“ (Achim Hochdörfer, Direktor des Museums Brandhorst).

Aber wie wirkt es auf dich, schau dir den „Vintage Bomber“ unbedingt unmittelbar im Museum Brandhorst an.

Du kannst auch mit deiner Handykamera diesen Code scannen!

Klicke HIER oder nutze den QR-Code und gib deine Antworten ein. Lade anschließend die Website neu.

Ausblick: Kann aus weniger mehr werden?
Wünscht ihr euch, dass unsere „Hülle“ zukünftig vielleicht keine so große Rolle mehr spielt und wir uns mehr durch unser Handeln auszeichnen, mit diesem identifizieren und stärker hinter die „Hüllen“ blicken? Vielleicht bringen der Klimawandel und der daraus notwendig werdende Verzicht, auch auf Fast Fashion, uns hier ja ein Stück weiter – eben „Vintage“ in future.

Deine Meinung? Teile sie gerne mit uns auf Instagram oder Facebook und verwende den Hashtag #PopPunkPolitik!

Möchtest du weitere Informationen zu Pop.Punk.Politik und mitdiskutieren, dann gehe auf den gleichnamigen Blog der Münchner Stadtbibliothek oder #PopPunkPolitik

Und Lust auf ACTION?
Kreative Anregungen zum zwei- und dreidimensionalen Gestalten oder zum Upcyceln findest du auf unseren ActioncARTs, eine Kooperation mit dem Museum Brandhorst: Dress up – nur Kleidung oder mehr? (deutsch /englisch)

Ein spannendes Gespräch zum Vintage Bomber zwischen Katja Eichinger und der leitenden Kuratorin des Museums Patrizia Dander findest du HIER.

Passende MPZ-Führung
„Food for the mind“ – sehen, denken, diskutieren (MS ab Jgst. 8, RS ab Jgst. 8, GYM ab Jgst. 8,BS)
Kunst ist politisch (MS, RS, GS ab Jgst. 3, GYM, Horte, BS)
Kunst und Kommunikation (RS ab Jgst. 9, GYM ab Jgst. 9)

Informationen zum Museum
Die Monacensia im Hildebrandhaus ist das literarische Gedächtnis der Stadt München. Neben dem Literaturarchiv der Stadt München ist hier eine Forschungsbibliothek zur Geschichte und zum kulturellen Leben Münchens untergebracht.
Im Museum Brandhorst, einem Museum für Gegenwartskunst im Kunstareal, kannst du viele weitere spannende Kunstwerke entdecken. Schau unbedingt vorbei!

Abbildungsnachweis Titelbild: Plakatmotiv zu Pop Punk Politik – die 1980er Jahre in München (Ausschnitt). © Monacensia im Hildebrandhaus und Edel-Punks auf dem Münchner Marienplatz, 1984. © Volker Derlath

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