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Einmal Königin oder König sein!

Möchtest du auch einmal Königin oder König sein? Ein uralter und in Europa weitverbreiteter Brauch gibt dir für einen Tag die Chance dazu! In Deutschland ist dieser Brauch allerdings wenig bekannt.

In unterschiedlichen Gegenden hat der Brauch verschiedene Formen, aber es geht immer um dieselbe Idee: In einem Kuchen oder einer Pastete wird ein kleiner Gegenstand mitgebacken. Wer ihn findet, ist für einen Tag König oder Königin – ganz egal, welche Rolle diese Person sonst im Haushalt ausfüllt.

Mit Bohne, Loszettel, Münze oder einer Mandel

Mitgebacken wurde in früheren Zeiten etwas, was auch im Winter allen Menschen zur Verfügung stand: eine getrocknete Bohne. Daher der Name „Bohnenkönigsfest“. Manchmal wurden auch eine schwarze und eine weiße Bohne versteckt. Dann gab es König und Königin. In manchen Regionen wurden außerdem Zettel mitgebacken, die verschiedene Rollen im Hofstaat für diesen Tag festlegten – den Hofnarren zum Beispiel. Alternativ wurden Münzen eingebacken; heute werden oft spezielle Kunststofffiguren verwendet.
Für uns heute am einfachsten ist es, eine ganze Mandel – mit oder ohne Haut – einzubacken. Die kannst du, sofern du keine Mandelallergie hast, später auch einfach essen. Aber auch eine Haselnuss wäre geeignet.

David Rijckaert III, Das Bohnenkönigsfest, 1648, Leinwand, 80,7 x 113,5 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie Neuburg, CC BY-SA 4.0
David Rijckaert III, Das Bohnenkönigsfest, 1648, Leinwand, 80,7 x 113,5 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie Neuburg, CC BY-SA 4.0

Das Bohnenkönigsfest

Der flämische Maler David Rijckaert III (1612 – 1661) zeigt uns mit seinem Gemälde, wie im 17. Jahrhundert das Bohnenkönigsfest wohl gefeiert wurde: Verschiedene Kopfbedeckungen, Tätigkeiten, Bewegungen und Gesichtsausdruck der Personen bieten uns Hinweise. Schon entdeckt, wer die Bohne in seinem Kuchenstück gefunden hat? Und auf einem der Zettel stand wohl auch, wer die Narrenkappe bekommt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen aus dem Leben in früheren Zeiten! So wird beispielsweise links am Bildrand gerade in einer Pfanne am offenen Feuer gebacken. Rechts im Hintergrund lernt vielleicht ein Kind gerade das Laufen.
Der Genremalerei werden solche Gemälde zugerechnet. Sie haben das ganz normale Leben zum Thema.

Fünf Ausschnitte aus David Rijckaert III, Das Bohnenkönigsfest, 1648, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie Neuburg, CC BY-SA 4.0

Am Dreikönigstag

Gefeiert wird das Bohnenkönigsfest traditionell am Dreikönigstag, dem Feiertag also, der zu Ehren der Heiligen Drei Könige am 6. Januar begangen wird. In vielen christlich geprägten Ländern der Welt ist Heilige Drei Könige ein gesetzlicher Feiertag, in Deutschland nur in manchen Bundesländern. Er ist der letzte Feiertag der Weihnachtszeit. Was es mit den Heiligen Drei Königen auf sich hat, erfährst du HIER.

In der Schweiz spielt an diesem Tag der Dreikönigskuchen eine wichtige Rolle. Im Durchschnitt kauft jeder Haushalt pro Jahr einen solchen Kuchen aus süßem Hefeteig. Hier ist meist eine Königsfigur versteckt. Gegessen wird er in der Familie oder auch mit Kolleginnen und Kollegen im Büro. Ein Rezept dafür findest du unten.

Ursprünglich stammt der Brauch – in welcher Ausprägung auch immer – übrigens aus dem alten Rom, hat damit also einen heidnischen Ursprung aus Zeiten lange vor Christi Geburt.

Jetzt bist du dran!

  • Legt in eurer Familie fest, wie eure Regeln sind. Soll es vielleicht sogar König und Königin geben?
  • Backe zum Frühstück für die Familie einen Dreikönigskuchen! Den Teig kannst du schon am Vorabend vorbereiten. Das Rezept dazu, das du auch im MPZ-Album einheften kannst, findest du HIER.
  • Eine Krone für die Königin oder den König darf auch nicht fehlen. Gestalte eine – oder auch zwei – aus Papier. Die Anleitung dazu gibt es unten.

Eine Krone für Königin und/oder König

Du brauchst:

  • Eine gebrauchte Papiereinkaufstüte, wie wir sie von Lieferdiensten oder aus dem Supermarkt kennen – oder alternativ einen langen Streifen Fotokarton.
  • Tapetenkleister, sehr fest angerührt (rühre in einem Schraubglas 2 Teelöffel Kleisterpulver in 100 ml Wasser ein und lass die Masse kurz stehen). Alternativ kannst du auch anderen Papierkleber verwenden.
  • Alte Zeitschrift, Zeitung oder Werbeprospekte
  • Borstenpinsel, Bleistift, Papierschere
  • falls du hast, eine Briefmarkenpinzette
  • Kariertes Papier und ein Lineal oder Geodreieck
  • 2 Büroklammern
  • Ggf. Bügeleisen
* Material und Arbeitsschritte. © Museumspädagogisches Zentrum

So geht’s:

  • Schneide von der Papiertüte den Boden und den oberen Teil samt Henkeln ab.
  • Schneide die Klebenaht weg – jetzt hast du einen langen Streifen Papier.
  • Falte den Streifen der Länge nach zur Hälfte um, so dass die bedruckte Seite innen liegt.
  • Bestreiche den Streifen auf der Innenseite und klebe ihn zusammen. Trocknen lassen.
  • Ggf. kannst du den Streifen vorsichtig bügeln – max. 1 Punkt auf dem Bügeleisen.
  • Schneide aus Zeitschriften, Zeitungen oder Werbeprospekten kleine farbige Kreise, Ovale oder auch eckige Formen aus – das werden die Edelsteine deiner Krone.
  • Entwirf die Form deiner Krone auf kariertem Papier. Ziehe auf dem Karopapier drei parallele Striche, den ersten ganz unten, den zweiten 4 cm höher und den obersten in der Höhe, die dein geklebter Papierstreifen hat – nimm hierzu die niedrigste Stelle des Papierstreifens.
  • Zeichne zwischen den beiden oberen Strichen die Form einer Zacke deiner Krone.
  • Wenn du ein symmetrisches Zackenmuster haben magst, dann falte das karierte Papier an der höchsten Stelle deiner Zacke senkrecht und schneide die Form aus. Wieder aufgeklappt ist das deine Schablone.
  • Lege die Schablone auf deinen fertigen Papierstreifen und zeichne damit auf der gesamten Länge Zacken auf. Die geschlossene, gerade Kante zeigt dabei nach unten. Und es sollte unten ein Rand von 4 cm stehen bleiben. 70 cm Länge reichen übrigens auf alle Fälle aus.
  • Drehe den Streifen so um, dass die Zacken zu dir zeigen. Schneide nun die aufgezeichnete Form aus. Am besten gelingt das, wenn du für jede halbe Zacke die Schere immer wieder neu ansetzt.
  • Beklebe nun deine Krone mit den ausgeschnittenen „Edelsteinen“. Mit einer Briefmarkenpinzette geht das besonders gut.
  • Je nachdem, wer König oder Königin wird, wird die Krone mit zwei Büroklammern auf das richtige Maß gebracht.

TIPP: Wenn du Anregungen für die Krone suchst, wirst du HIER fündig. Oder schau dir die Kronen auf den Hüten der Heiligen Drei Könige bei Rogier van der Weyden genauer an.

Nachhaltigkeit

Ziel 12 Nachhaltiger Konsum: Verwende für deine kreativen Ideen Materialien, die bereits ihren Zweck erfüllt haben und nicht mehr gebraucht werden. In unserem Fall findest du in der Papiertonne genügend Material, um eine Krone zu gestalten.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit Erklärungen in leichter Sprache findest du HIER.

Passende MPZ-Online-Veranstaltung
MusPad: Von Schmetterlingen, Schlittschuhfahrer*innen und dem Bohnenkönig (Jgst. 1 – 6)

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Kontextualisierung
Damals – heute

Informationen zum Museum
Die Staatsgalerie Flämische Barockmalerei in Neuburg a. d. D. ist eine der zwölf Zweiggalerien der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Hier finden sich Gemälde aus Flandern aus dem 17. Jahrhundert. Digital ist der Sammlungsbestand auch in der Online-Sammlung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu finden.

Führungen werden über die Tourist-Information in Neuburg a. d. Donau angeboten.

Abbildungsnachweis Titelbild: Dreikönigskuchen, © Foto: Museumspädagogisches Zentrum und Andreas Lischka, Pixabay

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